Laudatio zum 25-Jährigen

Festredner: Gründungsvorsitzender Willy Fuchs
Vorgetragen am 22.08.2008


Sehr geehrte Damen und Herren , liebe Tischtennisfreunde !

Im Alter von 12 Jahren hatte ich einen Mitschüler, der das Tischtennisspiel bereits hervorragend beherrschte. Es faszinierte mich, zu sehen, wie er die Bälle schlug und schmetterte und dem kleinen Zelluloidball dann auch noch eine Menge Schnitt und Effet mitgab. Ich nutzte jede Unterrichtspause, um mit ihm im Kellergewölbe der Schule abzutauchen und mir das Spiel von ihm beibringen zu lassen. Das war natürlich verboten, und so dauerte es nur wenige Tage, bis ein strenger Lehrer im priesterlichen Gewand unversehens in den Tischtennisraum eintrat und
die fünf Finger seiner rechten Hand in unseren Gesichtern abmalte. Diese klatschende Ohrfeige war meine erste eindeutige Begegnung mit dem Tischtennisspiel. Sie hatte sich tief in mein Gehirn eingebrannt.

Ca. 15 Jahre später gründete ich als Lehrer an der Hauptschule in Siersdorf eine Tischtennisarbeitsgemeinschaft. Das gerade wieder aufgebaute Schulgebäude mit einem geräumigen Atomschutzkeller bot dafür die besten Voraussetzungen. Viel Platz, gutes Licht und neue Tischtennisplatten, die nie abgebaut werden mussten. Wegen der großen Nachfrage mussten gleich zwei Arbeitsgemeinschaften angeboten werden. Diese sportliche Aktivität blieb dem ortsansässigen Turnverein nicht verborgen. Er trat an mich heran mit der Bitte, innerhalb des TV Siersdorf eine Tischtennisabteilung zu gründen. Gerne erfüllte ich diesen Wunsch, und schnell formte sich eine starke aktive Tischtennisgruppe im TV Siersdorf.

Zu diesen Tischtennisfreunden gesellte sich dann wenige Jahre später ein Aktiver aus Hoengen . Von Beruf war er Konrektor an der Grundschule in Hoengen. Und hier in Hoengen sollte einige Zeit danach ebenfalls ein neues Schulgebäude errichtet werden. Für uns beide lag es da nahe, das, was in Siersdorf geschaffen worden war, auch in Hoengen auf die Beine zu stellen. Vorsorglich wandten wir uns bereits im Jahre 1981 schriftlich an die Stadt Alsdorf mit der Bitte, bei der Beschaffung von Inventar für die neue Turnhalle auch sechs fahrbare Tischtennisplatten mit einzubeziehen.- Unserem Wunsch wurde entsprochen, und noch vor der eigentlichen Eröffnung der Halle waren die Platten schon eingetroffen. Wer aber sollte außer den Schulkindern auf diesen spielen ? Einen TTC, so hießen damals fast alle Tischtennisvereine in der Umgebung, gab es in Hoengen nicht. Wir waren nur zu zweit, Wolfgang Slowig und ich. Es kostete uns einige Zeit, 20 Interessenten - so viele verlangte der damalige Sportdezernent der Stadt Dr. Wasser von uns zu finden und der Stadt namentlich zu melden. Schließlich griffen wir auf Tischtennisfreunde aus anderen Vereinen zurück, die unser Bestreben, einen neuen Verein zu gründen, kameradschaftlich unterstützten. Auch meldeten sich in einigen Fällen nicht nur der Sohn oder die Tochter einer Familie an; sondern die Namen von Mutter und Vater standen gleich mit auf der Liste.-

Während wir nun nach Interessenten gesucht hatten, war die neue Turnhalle von den übrigen Ortsvereinen komplett ausgebucht worden. Für das zusammengewürfelte Häuflein von Tischtennisfreunden war kein Platz mehr. Nachfragen bei anderen Vereinen für das Überlassen der einen oder anderen Hallenstunde blieb erfolglos. Auch der Stadtsportverband war nicht in der Lage, uns auch nur eine einzige Hallenstunde zu beschaffen. Wieder war es Dr. Wasser, der uns weiter half. Er machte die Halle montags von 17 20 Uhr für uns frei. Und so trafen wir uns dann : Kleinkind, Schulkind, Jugendlicher und Senior in einem Raum. Es ging nicht immer sehr geordnet, doch immer sehr lebhaft zu. Der Kreis der Aktiven vergrößerte sich schnell, und neue Raumprobleme kündigten sich an. Aber das allerwichtigste fehlte noch. In Hoengen gab es noch immer keinen Tischtennisverein. Dieser wurde am 09.03.1983 offiziell ins Leben gerufen.
54 Teilnehmer besuchten die Gründungsversammlung, die in der Grundschule zu Hoengen stattfand. Nun hatten wir einen Namen, und wer einen Namen hat, der hat auch ein Gesicht, der kann sich zeigen und sich zu Wort melden.-

Durch verschiedene Pressemitteilungen wurde der Verein weiterhin bekannt; und bald reichten

die drei Hallenstunden in Hoengen nicht mehr, um einen halbwegs geordneten Trainingsablauf zu gewährleisten. Eine neue Lösung musste gefunden werden. In dieser Phase bot uns die Stadt die Turnhalle Jahnstraße als neue Spielstätte an. Sie stand uns an mehreren Wochentagen sowie am Wochenende zur Verfügung. In der Freude über dieses Angebot hatten wir jedoch übersehen, dass es in der Halle Jahnstraße keine Platten gab. Mitglieder und benachbarte Vereine halfen uns mit ausgedienten Platten aus, bis der Verein über neue verfügen sollte. 5000DM für die neuen Tischtennisplatten kümmerten uns wenig, zumal das Land Nordrhein-Westfalen, der Kreis Aachen und die Stadt Alsdorf 90 % der Kosten übernahmen. Auch die restlichen 10 % machten uns keine Sorgen. Sie sollten uns auf Vorschlag eines Mitgliedes dann auch noch erlassen werden. Dieses Mitglied wusste als gewiefter Beamter, dass seine Behörde auf die Bestellung von Schulgeräten bei einem bestimmten Händler immer 10 % bekam. Und diese sollten auch wir erhalten. Also beschlossen wir, diese günstige Gelegenheit zu nutzen. Schnell ging die Bestellung hinaus, und unter der Voraussetzung, dass wir den fälligen Betrag sofort überweisen würden, sollten die 6 neuen Platten innerhalb einer Woche in der Halle Jahnstraße eintreffen. Wir handelten so und warteten die Woche ab. Und so warteten wir, und warten wir noch heute. Die Platten sind nie geliefert worden. Das Geld war weg. Nach der einen Woche hatten wir keine Platten, jedoch 5000,00 DM Schulden. Was tun ? Ich dachte an Rücktritt vom Posten des 1. Vorsitzenden.

So dumm zu handeln und dabei das Geld anderer Leute vertun, so etwas darf einfach nicht vorkommen. Im Nachhinein gesehen war es gut, dass der Vorstand zusammengeblieben ist. Über ein Stillschweigen ist erst gar nicht lange debattiert worden. Das fehlende Geld kam jetzt aus unseren privaten Taschen. Und so wurden die neuen Platten ein zweites mal bestellt und bezahlt. -

Der Trainingsbetrieb war unterdessen weiter gelaufen. Die Mitgliederzahl stieg weiter an.Unter den neuen Mitgliedern gab es erfahrene Aktive, die aus anderen Vereinen zu uns stießen. Treibender Motor auf allen Ebenen war nun Rolf Ervens. Er drängte darauf, noch im Gründungsjahr Wettkampfmannschaften zu melden. Wir wurden Mitglied im Westdeutschen Tischtennisverband und meldeten für die Spielzeit 1983/84 sieben Mannschaften an, und zwar:

4 Senioren- , 1 Jugend- , 1 Schüler und 1 Mädchenmannschaft. Daran kann man in etwa ermessen, was im Jahr der Gründung bei der TTG los war. Ohne zahlreiche ehrenamtliche Helfer aus dem Verein wie auch aus der Elternschaft war das nicht zu schaffen.

In dieser Phase hätte es der weiteren Werbung um Mitglieder nicht mehr bedurft. Aber die Verhandlungen mit dem TTC Jülich liefen schon seit geraumer Zeit. Und sie mündeten schließlich in die schriftliche Vereinbarung, ein Bundesligameisterschaftsspiel von Jülich nach Hoengen zu verlegen. So kam es zu dem Demonstrationskampf zwischen Jülich und TuS Vahr Bremen. Das Spiel fand am 16. 3. 1984 in der Turnhalle Falterstraße statt und endete mit 9 : 4 für die Gäste aus dem Norden Deutschlands. 468 zahlende Zuschauer wohnten dem Spiel mit Begeisterung bei. Die beiden Ehrengäste vonseiten der Stadt Alsdorf, Herr Bürgermeister Küpper und Dezernent Dr. Wasser waren ebenso von dem Spiel angetan, und sie nahmen die feste Erkenntnis mit, dass sich da in Ihrer Stadt ein neuer Tischtennisverein etabliert hatte. Darüberhinaus trug das Spiel wesentlich zur Gesundung unserer angeschlagenen Vereinskasse bei. Auch der TTC Jülich hatte ein gutes Geschäft gemacht; er war mit 50 % an den Einnahmen beteiligt. -

Nun konnte man den weiteren Dingen mit mehr Ruhe entgegensehen. Es galt nun sportliche Siege zu feiern und Niederlagen zu verarbeiten. Und nun entwickelte sich auch so etwas, was man wohl mit dem Wort Vereinsleben umschreibt. Manche Mitglieder trafen sich nun auch privat. In der Folgezeit gab es zahlreiche Partys. Das Neue Jahr feierte der Vorstand mit seinen Familien über Jahre hinweg im Hause von Edi Hilgers. Kameradschaften und Freundschaften bildeten sich, und es wurden immer mehr gemeinsame Unternehmungen gestartet. Auch bei den Karnevalsumzügen tauchten die Vereinsfarben der TTG nun auf. Die etwas reiferen Frauen über 40 wollten ihren Männern nun nicht mehr nachstehen. Sie trafen sich allwöchentlich in Trudis Partykeller und spielten Tischtennis auf ihre Weise und hatten dabei viel Spaß. - Bereits von den ersten Wochen unseres Bestehens an gab es eine intensive Partnerschaft mit den Tischtennisfreunden aus Brunsum, der Partnerstadt von Alsdorf. Mit ihnen veranstalteten wir sportliche Vergleichskämpfe, feierten das Sommerfest in Hoengen und trafen uns beim Nikolausfest in Brunsum. Und so gab es auch neue menschliche Kontakte über die Grenzen hinweg. - Das , was ich soeben geschildert habe, gehört nach meiner Auffassung ganz wesentlich zum Vereinssport dazu. Das Miteinander und das Füreinander stehen gleichwertig neben der der sportlichen Aktivität.

 

Wenn ich nun, meine Damen und Herren, liebe Tischtennisfreunde ein kleines Fazit ziehen sollte, dann vielleicht so: - Es ist im Verein, wie sonst im Leben: es geht mal aufwärts, und es geht mal abwärts. Auch Streit ist nie ganz auszuschließen. Den hat es bei der TTG ebenfalls zur Genüge gegeben. Leider waren dem Verein zeitweise auch die demokratischen Spielregeln abhanden gekommen, als wichtige Entscheidungen zuerst in der Zeitung erschienen, ehe sie im Vorstand vorgetragen wurden. (siehe : mein Rücktrittsschreiben vom Posten des 2. Vorsitzenden an den Vorstand der TTG vom 28 . 04 . 1989 ! ) Mir erscheint es daher wichtig zu sagen, dass neue Ideen und wichtige Entscheidungen immer erst nach einem demokratischen Diskussionsprozess zum Tragen kommen dürfen. Und nicht diejenigen, die die Taschen voller Geld mitbringen, dürfen das Sagen haben, sondern die aktiven Mitglieder, welche schon einige Jahre für die TTG an der Tischtennisplatte gekämpft haben. Niemals aber sollte der Verein seinen Namen verkaufen. Das führt zu Gesichts- und Identitätsverlust, und bringt auf die Dauer nicht viel Gutes. Gott sei Dank, hat der Verein diese Episode hinter sich gelassen. - Das stärkste Kapital, das die TTG Hoengen hat, ist ihre Jugend. Trotz rückläufiger Schülerzahlen in den Schulen hat die TTG immer noch einen guten Zulauf an jungen Menschen. Ganz entscheidend für einen weiteren guten Verlauf des Vereinsgeschehens sind neben einer kompetenten und verantwortungsbewussten Vereinsführung ehrenamtliche Mitarbeiter, die ihr Herz für den Verein und für die Jugend entdeckt haben, und die in der Lage sind, alle guten Eigenschaften des Tischtennissports weiterzugeben.

 

In diesem Sinne wünsche ich den Tischtennisfreunden der Tischtennisgemeinschaft Rot-Schwarz Hoengen für die nächsten 25 Jahre - alle Zeit - einen guten Schmetterball.